PIM Migration: So übertragen Sie Produktdaten sauber ins neue System

Von

Jan Kittelberger

Lesedauer: 4 Minuten

Warum die Migration der kritischste Teil des PIM-Projekts ist

Neue Software ist schnell installiert. Die eigentliche Herausforderung eines PIM-Projekts beginnt, wenn bestehende Produktdaten ins neue System übernommen werden sollen. Hier entscheidet sich, ob das PIM zum sauberen zentralen System wird – oder nur das alte Chaos in einem neuen Tool landet.

Viele Unternehmen unterschätzen diesen Schritt: Man geht davon aus, dass man die vorhandenen Excel-Listen und ERP-Stammdaten irgendwie importieren kann. In der Praxis zeigt sich dann, dass Daten unvollständig, widersprüchlich oder für das neue Datenmodell ungeeignet sind.

Typische Fehler bei PIM-Migrationen

1:1-Übernahme aller Alt-Daten:

Aus Angst, etwas Wichtiges zu verlieren, werden alle verfügbaren Daten ungeprüft übernommen – inklusive Dubletten, veralteter Produkte und unklarer Attribute. Das neue PIM ist damit von Tag eins belastet.

Migration als technische Aufgabe betrachten:

Migration wird häufig als reines IT-Thema gesehen. Tatsächlich ist es aber ein fachliches Thema: Nur die Fachbereiche können beurteilen, welche Daten relevant, korrekt und zukunftsfähig sind.

Datenaufbereitung zu spät starten:

Viele Teams beginnen mit der Datenbereinigung erst kurz vor dem geplanten Go-Live. Dann wird es hektisch, und Kompromisse werden zur Regel – oft mit langfristigen Folgen für Datenqualität und Vertrauen in das PIM.

In 5 Schritten zur erfolgreichen PIM-Migration

Schritt 1: Datenquellen und Datenarten erfassen

Listen Sie alle Quellen auf, in denen heute Produktdaten liegen: ERP, PLM, CRM, Excel-Listen, Access-Datenbanken, Fileserver, Altsysteme. Notieren Sie, welche Datenarten dort liegen (Stammdaten, technische Daten, Marketingtexte, Mediendateien, Übersetzungen).

Schritt 2: Ziel-Datenmodell verstehen

Bevor Sie Daten bewegen, sollte klar sein, wie das Datenmodell im PIM aussieht: Welche Produktklassen gibt es? Welche Attribute sind vorgesehen? Welche Pflichtfelder gelten für welche Kanäle? Dieses Zielbild ist die Grundlage für alle Mapping-Entscheidungen.

Schritt 3: Mapping und Transformationsregeln definieren

Nun wird festgelegt, wie alte Felder und Strukturen auf das neue Modell abgebildet werden. Typische Aufgaben:

  • Zusammenführen von Attributen, die bisher in verschiedenen Systemen gepflegt wurden
  • Aufteilen von kombinierten Feldern (z. B. Länge x Breite x Höhe in drei separate Felder)
  • Normalisieren von Einheiten (z.B. cm in mm umrechnen)
  • Definieren von Default-Werten, wo alte Daten Lücken haben

Schritt 4: Datenbereinigung vor der Migration

Bevor Daten ins PIM importiert werden, sollten offensichtliche Probleme bereinigt werden:

  • Dubletten entfernen oder zusammenführen
  • veraltete oder abgekündigte Produkte kennzeichnen oder aus dem Scope nehmen
  • extreme Ausreißer und unplausible Werte identifizieren
  • fehlende Pflichtinformationen soweit möglich nachpflegen

Schritt 5: Testmigrationen und Validierung

Statt alles in einem Rutsch zu migrieren, bewährt sich ein iteratives Vorgehen mit Testmigrationen. Sie importieren einen Ausschnitt der Daten, prüfen Vollständigkeit und Qualität im PIM und justieren Mapping und Regeln nach. Erst wenn die Qualität passt, wird die Migration für größere Datenmengen freigegeben.

Rollen und Verantwortlichkeiten in der Migration

Eine erfolgreiche Migration braucht klare Verantwortlichkeiten:

  • Fachliche Verantwortung: Produktmanagement / Produktdaten-Verantwortliche
  • Technische Verantwortung: IT / Datenarchitektur
  • Koordination und Projektsteuerung: Projektleitung
  • Qualitätssicherung: je nach Unternehmen z. B. Qualitätsmanagement

Die IT unterstützt bei Tools und Skripten, aber die Entscheidung, welche Daten in welcher Form ins PIM übernommen werden, ist fachlich.

Fazit

Die PIM-Migration ist keine lästige Pflichtübung, sondern eine einmalige Chance, die Qualität Ihrer Produktdaten auf ein neues Niveau zu heben. Wer diesen Schritt bewusst und strukturiert angeht, legt das Fundament dafür, dass das PIM langfristig akzeptiert und genutzt wird – statt als neues Chaos-System wahrgenommen zu werden.