So berechnen Sie den ROI eines PIM Systems: Der praktische Leitfaden

Von

Jan Kittelberger

Lesedauer: 8-10 Minuten

Die Entscheidung für ein Product Information Management System (PIM) ist eine strategische Investition. Doch wie lässt sich der Return on Investment konkret berechnen? In diesem Leitfaden zeigen wir Ihnen, wie Sie den ROI eines PIM-Systems methodisch ermitteln und damit die Wirtschaftlichkeit Ihrer Investition nachweisen.

Warum die ROI-Berechnung bei PIM-Projekten entscheidend ist

Der ROI (Return on Investment) ist die zentrale Kennzahl, um den wirtschaftlichen Erfolg einer PIM-Einführung zu bewerten. Gerade im Mittelstand, wo Budgets sorgfältig geplant werden müssen, ist eine fundierte ROI-Berechnung unverzichtbar für die Entscheidungsfindung auf C-Level-Ebene. Ein PIM-System verursacht nicht nur Kosten – es schafft messbaren Mehrwert durch Effizienzsteigerungen, Fehlerreduktion und schnellere Time-to-Market. Die Herausforderung liegt darin, diese Effekte in konkrete Zahlen zu übersetzen.

Die Grundformel: So berechnen Sie den ROI

Die ROI-Berechnung folgt einer bewährten Formel:  

ROI (%) = ((Nutzen - Kosten) / Kosten) × 100  

Oder detaillierter für PIM-Systeme:  

ROI (%) = ((Jährliche Einsparungen + Zusätzliche Umsätze - Gesamtkosten) /   Gesamtkosten) × 100  

Ein positiver ROI zeigt, dass die Investition rentabel ist. Ein ROI von 150% bedeutet beispielsweise, dass Sie für jeden investierten Euro 1,50 Euro zurückerhalten.

Phase 1: Gesamtkosten ermitteln (Total Cost of Ownership)

Initiale Investitionskosten

  • Lizenzen: Einmalige Lizenzgebühren oder Abonnementkosten für die ersten 12 Monate
  • Implementation: Projektkosten für Einrichtung, Customizing und Integration
  • Migration: Kosten für die Überführung bestehender Produktdaten
  • Schulung: Trainingskosten für Mitarbeiter
  • Hardware/Infrastruktur: Falls erforderlich (bei On-Premise-Lösungen)

Laufende Kosten (jährlich)

  • Wartung und Support: Jährliche Wartungsverträge
  • Lizenzen: Wiederkehrende Lizenzkosten (bei SaaS-Modellen)
  • Updates: Kosten für System-Updates und Feature-Erweiterungen
  • Interne Ressourcen: Zeitaufwand Ihrer Mitarbeiter für PIM-Verwaltung
  • Hosting: Bei Cloud-Lösungen oder Server-Kosten bei On-Premise

Praxisbeispiel:

Ein mittelständisches Unternehmen investiert 80.000 € initial (Lizenzen, Implementation, Migration) und hat jährliche Kosten von 25.000 €   (Lizenzen, Support, interne Ressourcen).

Phase 2: Nutzen und Einsparungen quantifizieren

Der schwierigere Teil ist die Quantifizierung des Nutzens. Konzentrieren Sie sich auf messbare Faktoren:

Zeitersparnis durch Prozessoptimierung

Berechnung:

  • Erfassen Sie den aktuellen Zeitaufwand für Produktdatenpflege (Stunden/Woche)
  • Schätzen Sie die Zeitersparnis durch PIM (typisch: 40-60% Reduktion)
  • Multiplizieren Sie mit den Personalkosten

Beispiel:

3 Mitarbeiter verbringen jeweils 15 Stunden/Woche mit manueller Datenpflege (Durchschnittskosten 50 €/Stunde). Mit PIM reduziert sich der Aufwand um 50%.
Jährliche Einsparung = 3 × 15 × 50% × 50 € × 48 Wochen = 162.000 €

Fehlerreduktion und Retouren

Inkonsistente oder fehlerhafte Produktdaten führen zu Retouren, Reklamationen und Unzufriedenheit.

Berechnung:

  • Aktuelle Retourenquote durch Produktinformationsfehler ermitteln
  • Kosten pro Retoure berechnen (Logistik, Bearbeitung, Wertverlust)
  • Erwartete Reduktion durch PIM schätzen (typisch: 20-40%)

Beispiel:

200 Retouren/Jahr durch Datenfehler à 75 € Kosten. Reduktion um 30%.
Jährliche Einsparung = 200 × 75 € × 30% = 4.500 €

Schnellere Time-to-Market

Neue Produkte schneller in alle Kanäle bringen bedeutet frühere Umsätze.

Berechnung:

  • Aktuelle Durchlaufzeit von Produktinformationen bis zur Veröffentlichung
  • Verkürzung durch PIM (typisch: 30-50% schneller)
  • Umsatzpotenzial pro verkürztem Tag/Woche

Beispiel:

Time-to-Market verkürzt sich von 4 Wochen auf 2 Wochen. Bei 50 neuen Produkten/Jahr mit durchschnittlich 500 € Umsatz/Woche ergibt dies:
Zusätzlicher Umsatz = 50 Produkte × 2 Wochen × 500 € = 50.000 €

Verbesserte Datenqualität und Conversion-Rate

Vollständige, konsistente Produktinformationen erhöhen die Conversion-Rate im E-Commerce messbar.  

Berechnung:

  • Aktueller Online-Umsatz und Conversion-Rate
  • Erwartete Steigerung durch bessere Produktdaten (Studien zeigen: 20-40% möglich)
  • Konservativ rechnen: 5-10% Steigerung

Beispiel:

Online-Umsatz 2 Mio. €/Jahr, Conversion steigt um 7%.  
Zusätzlicher Umsatz = 2.000.000 € × 7% = 140.000 €

Multichannel-Effizienz

Einsparungen durch automatisierte Ausgabe in verschiedene Kanäle (Webshop, Marktplätze, Print-Kataloge, Händlerportale).

Berechnung:

  • Zeitaufwand für manuelle Datenaufbereitung pro Kanal
  • Anzahl der Kanäle
  • Häufigkeit der Aktualisierungen

Beispiel:

5 Kanäle, jeweils 8 Stunden/Monat à 50 €/Stunde, 80% Automatisierung möglich.
Jährliche Einsparung = 5 × 8 × 12 × 50 € × 80% = 19.200 €

Phase 3: ROI-Berechnung durchführen

Nehmen wir die Beispielzahlen von oben:

Gesamtkosten über 3 Jahre:

  • Initiale Investition: 80.000 €  
  • Laufende Kosten (3 Jahre): 3 × 25.000 € = 75.000 €  
  • Gesamtkosten: 155.000 €  

Jährlicher Nutzen:

  • Zeitersparnis Datenpflege: 162.000 €
  • Fehlerreduktion: 4.500 €
  • Schnellere Time-to-Market: 50.000 €
  • Conversion-Steigerung: 140.000 €
  • Multichannel-Effizienz: 19.200 €
  • Jährlicher Gesamtnutzen: 375.700 €

ROI-Berechnung nach 3 Jahren:

Nutzen über 3 Jahre = 375.700 € × 3 = 1.127.100 €
ROI = ((1.127.100 € - 155.000 €) / 155.000 €) × 100 = 627%
Break-even: Bereits nach ca. 5 Monaten erreicht (155.000 € / 375.700 € × 12)

Weiche Faktoren berücksichtigen

Nicht alle Vorteile lassen sich exakt quantifizieren, sind aber dennoch wertvoll:  

  • Kundenzufriedenheit:
    Bessere Produktinformationen führen zu zufriedeneren Kunden
  • Markenimage:
    Konsistente, professionelle Produktpräsentation stärkt die Marke
  • Mitarbeiterzufriedenheit:
    Weniger frustrierende Routinearbeit, mehr Zeit für wertschöpfende Tätigkeiten
  • Skalierbarkeit:
    Fähigkeit, Produktsortiment ohne proportionale Ressourcenerhöhung zu erweitern
  • Compliance:
    Einfachere Einhaltung regulatorischer Anforderungen

Praxistipps für eine realistische ROI-Berechnung

1. Konservativ kalkulieren

Nutzen Sie eher konservative Schätzungen. Ein ROI, der auf realistischen Annahmen basiert, ist glaubwürdiger als übertriebene Prognosen.

2. Daten sammeln

Dokumentieren Sie den Ist-Zustand genau:  

  • Zeitaufwand für Produktdatenpflege
  • Fehlerquoten
  • Prozessdurchlaufzeiten
  • Kanalspezifische Aufwände

3. In Phasen denken

Der volle Nutzen eines PIM-Systems entfaltet sich oft erst nach der Einführungsphase. Planen Sie mit einer Ramping-up-Phase von 6-12 Monaten.

4. Stakeholder einbeziehen

Holen Sie Input aus verschiedenen Abteilungen:

  • Marketing: Conversion-Effekte, Markteinführungszeiten
  • Vertrieb: Kundenfeedback, Akquisitionspotenziale
  • IT: Technische Effizienzgewinne
  • Produktmanagement: Zeitersparnis, Fehlerreduktion

5. Regelmäßig nachmessen

Überprüfen Sie nach der Einführung regelmäßig die tatsächlich erzielten Effekte und justieren Sie Ihre Berechnungen.

ROI-Berechnung als Entscheidungsgrundlage

Eine fundierte ROI-Berechnung ist mehr als nur eine Rechtfertigung für die Investition. Sie hilft Ihnen:

  • Prioritäten zu setzen: Welche Features bringen den höchsten Nutzen?
  • Realistische Erwartungen zu schaffen: Wann amortisiert sich die Investition?
  • Erfolg zu messen: Haben Sie die gesetzten Ziele erreicht?
  • Buy-in zu schaffen: Überzeugen Sie Geschäftsführung und Stakeholder mit Fakten

Häufige Fehler vermeiden

  1. Nur auf die Lizenzkosten schauen:
    Die Lizenz ist nur ein Teil der Gesamtkosten. Berücksichtigen Sie Implementation, Migration, Schulung und laufenden Betrieb.
  2. Indirekte Kosten ignorieren:
    Projektzeit Ihrer Mitarbeiter, Change Management und temporäre Produktivitätsverluste sind reale Kosten.
  3. Unrealistische Zeitersparnis annehmen:
    Eine 90%ige Zeitersparnis klingt gut, ist aber selten realistisch. Bleiben Sie bei 40-60% für glaubwürdige Kalkulationen.
  4. Den Faktor Mensch unterschätzen:
    Technologie allein bringt keinen ROI. Prozessoptimierung und Nutzerakzeptanz sind entscheidend.

Fazit: ROI als strategisches Werkzeug

Die Berechnung des ROI eines PIM-Systems ist keine rein mathematische Übung. Sie ist ein strategisches Werkzeug, um die Wertschöpfung der Investition transparent zu machen und fundierte Entscheidungen zu treffen.  Mit einer methodischen Herangehensweise, konservativen Annahmen und kontinuierlicher Erfolgsmessung schaffen Sie eine solide Grundlage für Ihre PIM-Investition. Die meisten Unternehmen erreichen einen Break-even innerhalb von 6-18 Monaten – bei einem langfristigen ROI, der oft mehrere hundert Prozent beträgt.

Nächster Schritt:

Nutzen Sie diesen Leitfaden, um Ihre individuelle ROIBerechnung zu erstellen. Sammeln Sie zunächst die relevanten Daten aus Ihrem Unternehmen und starten Sie mit den Bereichen, die den größten messbaren Nutzen versprechen.

Sie möchten den ROI eines PIM-Systems für Ihr Unternehmen konkret berechnen? Kontaktieren Sie uns für eine individuelle Analyse Ihrer Potenziale.