PIM-Einführung: Phasen, Dauer und typische Fehler

Von

Jan Kittelberger

Lesedauer: 7 Minuten

Eine PIM-Einführung umfasst Zielklärung, Daten- und Systemanalyse, Datenmodell, Integration, Migration, Pilotbetrieb und Roll-out. Der belastbare Weg führt über einen repräsentativen Anwendungsfall mit messbarem Nutzen. Wer direkt mit Softwarekonfiguration beginnt, verlagert ungeklärte Prozess- und Datenfragen in die teuerste Projektphase.

Die Software ist sichtbar. Der größere Teil des Projekts bleibt zunächst unsichtbar: Welche Daten gelten? Wer verantwortet sie? Wie werden Varianten modelliert? Welche Informationen kommen aus ERP oder PLM? Wann darf ein Produkt in einen Kanal? Genau dort entscheidet sich, ob das PIM später Arbeit reduziert oder nur neue Masken schafft.

Wie lange dauert eine PIM-Einführung?

Für mittelständische Industrieunternehmen liegt ein realistischer Orientierungsrahmen häufig bei sechs bis zwölf Monaten bis zum ersten produktiven Scope. Das ist keine belastbare Zusage für ein konkretes Projekt. Sortiment, Datenqualität, Integrationen, Sprachen, Ausgabekanäle und interne Verfügbarkeit können die Dauer deutlich verändern.

Ein enger Pilot mit einer Produktfamilie und einem Ausgabekanal kann früher Ergebnisse liefern. Ein internationaler Roll-out mit ERP-, PLM-, CMS-, Shop- und Übersetzungsintegration benötigt mehr Zeit. Entscheidend ist deshalb die Frage: Wann wird welcher Nutzen produktiv? Nicht: Wann ist theoretisch alles fertig?

Die sieben Phasen einer PIM-Einführung

Phase 1: Ziele und Projektumfang festlegen

Definieren Sie zwei bis vier messbare Ergebnisse. Beispiele:

  • Produktdaten für den Website-Relaunch vollständig bereitstellen.
  • Datenblätter aus freigegebenen Daten automatisieren.
  • Durchlaufzeit für neue Produkte verkürzen.
  • Händlerdaten in einem definierten Format ohne manuelle Nacharbeit ausgeben.

Legen Sie außerdem fest, welche Produktbereiche, Länder, Sprachen, Systeme und Kanäle zum ersten Scope gehören. Ein PIM-Projekt ohne bewusste Abgrenzung wird schnell zum Umbau der gesamten Organisation.

Ergebnis: Zielbild, Scope, Erfolgskriterien und Entscheidungsgremium.

Phase 2: Daten, Systeme und Prozesse analysieren

Erfassen Sie:

  • relevante Datenquellen,
  • führende Systeme je Information,
  • Produktarten und Varianten,
  • heutige Pflege- und Freigabeprozesse,
  • Datenqualität und Dubletten,
  • Ausgabekanäle und Empfänger,
  • Rollen und Verantwortlichkeiten.

Ein häufiger Aha-Moment: Das vermeintliche Datenproblem ist teilweise ein Verantwortungsproblem. Drei Abteilungen pflegen denselben Text, weil niemand festgelegt hat, wer ihn freigibt.

Ergebnis: Ist-Architektur, Dateninventar, Engpassanalyse und priorisierte Anforderungen.

Phase 3: Datenmodell und Governance entwerfen

Das Datenmodell beschreibt Produkte, Varianten, SKUs, Merkmale, Werte, Einheiten, Beziehungen, Medien und Klassifikationen. Governance legt fest, wer welche Daten erzeugt, ändert und freigibt.

Beides gehört zusammen. Ein elegantes Modell ohne Verantwortliche bleibt leer. Ein fleißiges Team ohne Modell erzeugt neue Inkonsistenzen.

Testen Sie das Modell mit realen Extremfällen: Produktfamilien mit vielen Varianten, mehrsprachige Werte, Ersatzteilbeziehungen, kundenspezifische Anforderungen. Der Durchschnittsartikel ist selten das Problem.

Ergebnis: freigegebenes Fachmodell, Datenhoheit und Qualitätsregeln.

Phase 4: System konfigurieren und integrieren

Jetzt werden Strukturen, Rollen, Workflows und Oberflächen umgesetzt. Parallel entstehen Schnittstellen zu ERP, PLM, MAM/DAM, CMS, Shop, TMS oder weiteren Systemen.

Jede Schnittstelle braucht mehr als eine Feldliste. Zu klären sind:

  • Übertragungsrichtung und Häufigkeit,
  • Änderungs- und Löschlogik,
  • Identifikatoren,
  • Fehlerbehandlung und Wiederanlauf,
  • Monitoring und Verantwortlichkeit im Betrieb.

Ergebnis: funktionsfähige System- und Integrationsbasis für den Pilot.

Phase 5: Daten bereinigen und migrieren

Migration bedeutet nicht, alte Tabellen unverändert in das neue System zu kopieren. Vor dem Import müssen Daten zugeordnet, normalisiert, bereinigt und validiert werden.

Ein belastbarer Ablauf umfasst Probeimporte, Fehlerberichte und wiederholbare Transformationsregeln. Manuelle Korrektur kann bei Einzelfällen sinnvoll sein. Wenn tausende Datensätze per Hand angepasst werden, fehlt meist eine Regel oder eine klare Entscheidung.

Mehr dazu: PIM-Migration: So übertragen Sie Produktdaten sauber ins neue System.

Ergebnis: validierter Pilotbestand und dokumentierter Migrationsprozess.

Phase 6: Pilot produktiv setzen

Der Pilot sollte einen vollständigen End-to-End-Prozess abbilden: Datenquelle, Pflege, Freigabe, Medien, gegebenenfalls Übersetzung und mindestens einen realen Ausgabekanal.

Messen Sie vorher und nachher:

  • Durchlaufzeit,
  • manuellen Aufwand,
  • Datenvollständigkeit,
  • Fehler und Nacharbeit,
  • Nutzungsakzeptanz.

Ein Pilot, der nur Daten im PIM zeigt, beweist noch keinen Geschäftsnutzen. Erst die funktionierende Ausgabe schließt die Kette.

Ergebnis: produktiver Nutzen, belastbare Erkenntnisse und priorisierte Anpassungen.

Phase 7: Roll-out und kontinuierlicher Betrieb

Nach dem Pilot folgen weitere Produktbereiche, Sprachen und Kanäle. Gleichzeitig braucht das PIM einen dauerhaften Owner, Support, Qualitätsmonitoring und einen geregelten Prozess für Änderungen am Datenmodell.

Das System entwickelt sich mit Sortiment und Marktanforderungen weiter. Ohne Governance wird jede neue Anforderung direkt eingebaut. Nach zwei Jahren ist das Datenmodell dann technisch flexibel und fachlich kaum noch erklärbar.

Ergebnis: skalierter Betrieb mit klarer Verantwortung und Weiterentwicklungsprozess.

Die häufigsten Fehler bei der PIM-Einführung

Das Projekt wird als reines IT-Projekt behandelt

IT ist unverzichtbar, aber Produktmanagement, Marketing, Vertrieb und gegebenenfalls Service müssen Ziele und Prozesse mittragen. Sonst entsteht ein technisch sauberes System, das an der täglichen Arbeit vorbeigeht.

Der Scope bleibt zu groß

„Alle Produkte, alle Länder, alle Kanäle“ klingt konsequent. Es verschiebt jedoch den ersten Nutzen weit nach hinten und erhöht Abhängigkeiten. Ein fokussierter Pilot ist kein Kleinmachen des Ziels, sondern ein Test der tragenden Annahmen.

Daten werden vor dem Modell bereinigt

Wer Excel-Dateien bereinigt, bevor Zielstruktur und Qualitätsregeln feststehen, arbeitet möglicherweise zweimal. Erst definieren, was „sauber“ bedeutet. Dann bereinigen.

Sonderfälle bestimmen das gesamte Modell

Nicht jeder historische Ausnahmefall verdient eine dauerhafte Systemlogik. Prüfen Sie, ob der Sonderfall wirtschaftlich relevant ist oder lediglich seit Jahren mitgeschleppt wird.

Nutzer werden erst zur Schulung einbezogen

Anwender müssen früh an Prototypen und Pilotprozessen arbeiten. Schulung kurz vor Go-live kann fehlende Praxistauglichkeit nicht reparieren.

Der Betrieb bleibt ungeklärt

Nach dem Go-live braucht es Verantwortliche für Support, Schnittstellen, Datenqualität, Releases und fachliche Änderungen. Ohne Betriebsmodell kehrt das Projektteam nie wirklich in den Normalbetrieb zurück.

Welche Rollen braucht ein PIM-Projekt?

Mindestens erforderlich sind:

  • ein fachlicher Sponsor mit Entscheidungskompetenz,
  • eine Projektleitung,
  • ein PIM Product Owner,
  • Verantwortliche aus IT und relevanten Fachbereichen,
  • Datenverantwortliche für zentrale Produktbereiche,
  • Implementierungs- und Integrationskompetenz.

Nicht jede Rolle braucht eine Vollzeitstelle. Die Entscheidungen müssen aber eindeutig zugeordnet sein. Ein Lenkungskreis ohne verfügbaren Entscheider hilft in kritischen Wochen wenig.

Häufige Fragen zur PIM-Einführung

Was kostet eine PIM-Einführung?

Die Kosten hängen stark von Datenmodell, Migration, Schnittstellen, Customizing, Ausgaben, Lizenzen und internen Aufwänden ab. Vergleichen Sie Total Cost of Ownership und erwarteten Nutzen über mehrere Jahre, nicht nur Lizenzpreise.

Müssen Daten vor Projektstart vollständig sauber sein?

Nein. Sie müssen ihren Zustand kennen und Regeln für Zielqualität festlegen. Bereinigung und Migration können Teil des Projekts sein. Unbekannte Datenprobleme sind riskanter als bekannte Lücken.

Sollte man mit einem Pilot starten?

Ja, wenn der Pilot einen repräsentativen End-to-End-Prozess testet. Er sollte reale Varianten, Schnittstellen und einen produktiven Output enthalten.

Wann ist eine PIM-Einführung erfolgreich?

Wenn definierte Geschäftsziele erreicht werden: etwa kürzere Durchlaufzeit, weniger manuelle Arbeit, höhere Datenvollständigkeit oder zuverlässige Kanalausgaben. Ein technischer Go-live allein ist kein Erfolgsnachweis.

Der nächste sinnvolle Schritt

Klären Sie vor der Softwarekonfiguration den primären Engpass: Datenqualität, Prozess, Systemarchitektur oder fehlende Verantwortung. Der PIM Readiness Check schafft dafür eine gemeinsame Faktenbasis. Zur wirtschaftlichen Bewertung dient der Leitfaden ROI eines PIM-Systems berechnen.