Von
Jan Kittelberger
Lesedauer: 5 Minuten
Ein PIM-System vereinheitlicht Produktdaten aus unterschiedlichen Lieferantenquellen, prüft ihre Qualität und stellt sie für Shop, Vertrieb, Print, Marktplätze und Kundenausgaben bereit. Im technischen Handel sind Klassifikationen wie ETIM sowie Austauschformate wie BMEcat zentrale Anforderungen.
Der technische Handel hat ein besonderes Datenproblem: Er verwaltet nicht nur viele Artikel, sondern übernimmt Informationen von vielen Herstellern. Der eine liefert BMEcat, der nächste Excel, der dritte PDFs und Bilddateien per Downloadlink. Feldnamen, Einheiten, Warengruppen und Aktualisierungszyklen unterscheiden sich. Trotzdem erwartet der Kunde eine konsistente Suche und belastbare technische Angaben.
Ein typischer Datensatz kommt nicht publikationsfertig an. Häufige Probleme sind:
Wenn Mitarbeiter diese Unterschiede in Excel ausgleichen, wächst der Aufwand mit jedem Lieferanten und jedem Kanal. Die entscheidende PIM-Leistung ist deshalb nicht bloß Speicherung. Sie liegt in Import, Mapping, Validierung, Anreicherung und kontrollierter Weitergabe.
Ein belastbarer Prozess trennt fünf Aufgaben:
Das PIM bildet die Drehscheibe. ERP-Daten wie Preise und Bestände können weiterhin aus dem ERP kommen und im Zielkanal mit Produktinformationen zusammengeführt werden.
Die Begriffe werden in Projekten häufig vermischt.
Aufgabe: Klassifikation und standardisierte Merkmale für technische Produktgruppen, besonders relevant in Elektro, SHK und verwandten Bereichen
Aufgabe: Branchenübergreifende Klassifikation für Produkte und Dienstleistungen, häufig im industriellen Einkauf und Maschinenbau
Aufgabe: XML-basiertes Austauschformat für elektronische Produktkataloge
Kurz gesagt: ETIM und ECLASS beschreiben, wie Produkte fachlich eingeordnet und mit Merkmalen versehen werden. BMEcat transportiert Produkt- und Katalogdaten zwischen Unternehmen und Systemen.
Ein BMEcat-Export ist deshalb nicht automatisch ein guter Datensatz. Wenn Klassifikation, Pflichtfelder, Bilder oder Werte fehlen, wird lediglich ein strukturiertes Format mit unzureichendem Inhalt geliefert.
Handelspartner und Kunden können unterschiedliche Klassifikationen oder Versionen verlangen. Deshalb sollte ein Händler seine interne Warengruppen- und Produkttypenlogik nicht vollständig durch ETIM oder ECLASS ersetzen.
Sinnvoll ist eine Trennung:
Ein Produkt kann mehreren Strukturen zugeordnet sein. Das verhindert, dass eine externe Standardänderung die gesamte interne Navigation oder Pflegeorganisation durcheinanderbringt.
Der erste Lieferant ist ein Projekt. Der zwanzigste darf keines mehr sein.
Ein standardisierter Onboarding-Prozess enthält:
Ohne diesen Prozess wird jeder neue Lieferant zur Sonderlösung. Dann steigen Aufwand und Fehlerquote schneller als das Sortiment.
Der Nutzen zeigt sich in mehreren Bereichen:
Neue Produkte gelangen schneller in Shop und Vertrieb, weil Daten nicht jedes Mal manuell neu strukturiert werden.
Standardisierte Merkmale ermöglichen technische Filter. Ein Kunde kann nach Abmessung, Material, Leistung oder Anschlussart suchen, statt Produktnamen erraten zu müssen.
Vollständige Merkmale, kompatible Zubehörbeziehungen und aktuelle Dokumente reduzieren Unsicherheit. Der genaue Effekt hängt vom Sortiment und der bisherigen Datenqualität ab und sollte im Projekt gemessen werden.
Großkunden fordern eigene Sortimente, Preise, Klassifikationen oder Formate. Ein PIM kann solche Ausgaben regelbasiert vorbereiten, statt jedes Mal eine neue Excel-Datei zusammenzubauen.
Achten Sie besonders auf:
Die schönste Benutzeroberfläche gleicht fehlende Import- und Exportlogik nicht aus. Im technischen Handel entscheidet der Datendurchsatz.
Nein. ETIM ist ein Klassifikationsmodell. Für den Austausch ETIM-klassifizierter Daten wird häufig BMEcat verwendet.
Nein. BMEcat ist ein Austauschformat. Ein PIM verwaltet, prüft, ergänzt und verteilt die Daten, die in einem BMEcat-Katalog enthalten sein können.
Ja, wenn Formate, Identifikatoren, Mapping und Qualitätsregeln definiert sind. Vollautomatisch bedeutet allerdings nicht ungeprüft. Fehlerhafte Quelldaten bleiben fehlerhaft, wenn keine Validierung greift.
Bei vielen Produktbildern, Dokumenten, Sprachversionen und Nutzungsrechten ist eine integrierte oder angebundene Medienverwaltung sinnvoll. Produkt und freigegebenes Medium müssen eindeutig verbunden bleiben.
Wählen Sie drei repräsentative Lieferanten: einen mit guten Standarddaten, einen mit Excel-Dateien und einen problematischen Fall. Prüfen Sie daran Import, Mapping, Qualitätsregeln und Ausgabe. Der PIM Readiness Check bewertet, ob zuerst Datenmodell, Prozesse oder Systemintegration geklärt werden müssen.
Weiterführend: PIM-Schnittstellen: So integrieren Sie PIM mit ERP, Shop und Partnern